Neuntöter (Lanius collurio) – Der räuberische Würger der Almwiesen
Auf einen Blick
- Größe:
- 16–18 cm
- Gewicht:
- 28–38 g
- Lebensraum:
- Sonnenexponierte Gebüsche, Hecken, Almwiesen, Waldränder
- Nahrung:
- Großinsekten, Eidechsen, Kleinsäuger
- Besonderheit:
- Spießt Beute als Vorrat auf Dornen auf – Dornenbüsche als "Vorratskammer"
- Zugverhalten:
- Langstreckenzieher – Überwinterung im südlichen Afrika (bis 10.000 km)
- Schutzstatus:
- EU-Vogelschutzrichtlinie (Anhang I), gefährdet (Rote Liste 2)
Vorkommen im Mangfallgebirge – Almwiesen um die Schönfeldhütte
Der Neuntöter kommt in den Bayerischen Voralpen vor allem in sonnenexponierten Lagen vor. Besonders gute Bestände sind auf den Almwiesen um die Schönfeldhütte (1.410 m) zu beobachten. Die extensiv bewirtschafteten Almflächen mit eingestreuten Dornbüschen (Schlehe, Weißdorn, Heckenrose) bieten ideale Bedingungen: reichlich Insektennahrung und Dornen für die Vorratshaltung.

Weitere Vorkommen finden sich an Waldrändern, auf Streuobstwiesen und in Heckenlandschaften im gesamten Spitzingsee- und Tegernseer Raum. Der Neuntöter ist ein Indikator für extensiv genutzte Kulturlandschaften – wo er vorkommt, wird naturnah gewirtschaftet.
Besonderheit: Beutespeicher auf Dornen
Wie alle Würger hat der Neuntöter die einzigartige Angewohnheit, Beutetiere als Vorrat auf Dornen von Schlehen oder Weißdorn aufzuspießen. Dieses Verhalten dient nicht nur der Nahrungsreserve für schlechte Zeiten, sondern auch der Reviermarkierung. Ein reich bestückter Dornenbusch signalisiert anderen Männchen: "Hier ist ein guter Jäger – Revier besetzt!"
Im Almgebiet um die Schönfeldhütte kann man im Mai–August an Schlehenbüschen die Überreste von Heuschrecken, Käfern und gelegentlich auch Eidechsen entdecken – ein untrügliches Zeichen für ein Neuntöter-Revier.
Gefährdung und Schutz
Der Neuntöter steht auf der EU-Vogelschutzrichtlinie (Anhang I) und gilt in Deutschland als gefährdet (Rote Liste 2). Die Intensivierung der Landwirtschaft, der Verlust von Hecken und der Einsatz von Insektiziden sind die Hauptgefährdungen. Die Almwirtschaft um Schönfeldhütte und Spitzingsee bietet dem Neuntöter noch gute Bedingungen – extensive Beweidung mit naturnahen Heckenstrukturen.
Beste Beobachtungsgebiete
- Almwiesen um die Schönfeldhütte – beste Chance der Region
- Moore und Heckenlandschaften im Voralpenraum
- Streuobstwiesen am Alpenrand (Tegernseer Tal)
- Waldränder mit Dorngebüschen am Spitzingsee
Beste Beobachtungszeit: Mai bis August. Männchen sitzen gerne auf exponierten Warten (Zaunpfähle, Büsche) und halten Ausschau nach Beute.
Quellen & Expertise
- Florian Bossert, Gebietsbetreuer Mangfallgebirge – persönliche Mitteilungen zu Neuntöter-Vorkommen im Schönfeldhütten-Gebiet
- LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) – EU-Vogelschutzgebiet Mangfallgebirge
- BUND Naturschutz – Artenschutzprojekt Neuntöter
- Eigene Beobachtungen im Schönfeldhütten-Gebiet (2024–2026)
★ Affiliate-Links: Bei Kauf erhalten wir eine Provision