🐹 Nager-Porträt

Alpenmurmeltier – Die Pfeifhasen der Brecherspitz-Alm

Kaum ein Tier prägt die Geräuschkulisse der Alpen so sehr wie das Murmeltier. Sein schriller Pfiff ist das akustische Markenzeichen jedes Bergtals – und am Brecherspitz allgegenwärtig.

Vogel Adler
🐹 Größe: 50–65 cm 📍 Region: Spitzingsee, Rotwand, Brecherspitz ⏱ Lesezeit: 4 Minuten

📋 Steckbrief

Höhenlage:
1.000–3.000 m (alpine Zone)
Aktiv:
April–Oktober (Winterschlaf Okt–April)
Beste Tageszeit:
Vormittag 9–12 Uhr & Nachmittag 15–18 Uhr
Häufigkeit:
Häufig in alpinen Lagen
Schutzstatus:
Nicht geschützt, aber bejagbar (Jagdrecht)
Besonderheit:
Winterschlaf 6–7 Monate, 3–4 Herzschläge/min

🏔️ Lebensraum & Verbreitung

Das Alpenmurmeltier ist ein Bewohner der alpinen und subalpinen Zone zwischen 1.000 und 3.000 m. Es liebt steile, grasbewachsene Hänge mit tiefgründigen Böden – ideal zum Graben der charakteristischen Murmeltierbaue. Im Mangfallgebirge gehören die Hänge rund um Brecherspitz, Rotwand und Bodenschneid zu den besten Murmeltierhabitaten.

Die besten Beobachtungsplätze:

  • Brecherspitz-Südhang (ca. 1.500–1.680 m): Auf dem Gipfelweg zur Brecherspitz kommst du an mehreren großen Murmeltierkolonien vorbei. Besonders im Bereich der Gipfelweide stehen die Baue dicht an dicht.
  • Rotwand – Almwiesen am Rotwandhaus (ca. 1.700 m): Direkt um die Terrasse des Rotwandhauses sind Murmeltiere tagaktiv und an Menschen gewöhnt.
  • Bodenschneid-Aufstieg (ca. 1.400–1.600 m): Der Weg von der Oberen Firstalm zum Bodenschneid führt durch ideales Murmeltiergelände.

🔊 Sozialverhalten & Kommunikation

Murmeltiere leben in Familienverbänden von 2 bis 20 Tieren. Ein dominantes Männchen bewacht ein Revier mit mehreren Weibchen und deren Nachwuchs. Die Tiere kommunizieren mit einem lauten, schrillen Pfiff – das berühmte Murmeltier-Pfeifen – das bei Gefahr von einem Posten ausgestoßen wird. Diese Pfiffe sind so charakteristisch, dass man sie schon von weitem erkennt.

Interessant ist die soziale Struktur: Junge Murmeltier-Männchen verlassen die Kolonie im Alter von 2 Jahren und gründen eigene Reviere. Die Baue sind ausgeklügelte Systeme mit mehreren Eingängen, einer Nestkammer (für den Winterschlaf) und Fluchttunneln. Ein Bau kann über 10 m lang sein und mehrere Generationen beherbergen.

💡 Verhaltenstipp: Wenn du Murmeltiere beobachtest, setze dich ruhig hin und warte. Nach 10–15 Minuten gewöhnen sich die Tiere an deine Anwesenheit und kommen aus ihren Bauen. Nähere dich nie direkt einem Bau – das empfinden die Tiere als Bedrohung.

❄️ Winterschlaf – Eine physiologische Meisterleistung

Der Winterschlaf der Murmeltiere ist einer der extremsten im Tierreich: Von Oktober bis April – 6 bis 7 Monate – verbringen sie in ihrer frostfreien Nestkammer, tief unter der Schneedecke. Dabei reduzieren sie ihre Körpertemperatur von 37 °C auf 5–8 °C, den Herzschlag von 150 auf nur 3–4 Schläge pro Minute.

Um diesen Marathon zu überleben, fressen Murmeltiere im Sommer und Herbst enorme Mengen – sie verdoppeln ihr Körpergewicht. Eine besondere Anpassung: Murmeltiere halten nicht durchgehend Winterschlaf. Alle 10–14 Tage wachen sie für 24–36 Stunden auf, um Körpertemperatur und Stoffwechsel zu regulieren. In dieser Zeit zehren sie von ihren Fettreserven.

Im April/ Mai, wenn der Schnee schmilzt, kommen die Murmeltiere aus ihren Bauen – zunächst vorsichtig, hungrig und deutlich abgemagert. Die ersten Wochen sind die gefährlichste Zeit, denn Steinadler und Fuchs lauern auf die geschwächten Tiere.

🎯 Bedeutung für das Ökosystem

Murmeltiere sind Schlüsselarten der alpinen Ökosysteme. Ihre Baue durchlüften den Boden und schaffen Lebensraum für andere Tiere – von Insekten bis zu Schneehasen, die verlassene Baue als Unterschlupf nutzen. Gleichzeitig sind sie die Hauptbeute des Steinadlers (bis zu 70 % seiner Nahrung im Sommer) und eine wichtige Nahrungsquelle für Fuchs und Gämse? Nein – Gämsen sind Pflanzenfresser, aber Murmeltiere teilen sich den Lebensraum mit ihnen.

Durch ihren Appetit auf Gräser und Kräuter beeinflussen Murmeltiere die Pflanzenzusammensetzung ihrer Umgebung. In Gebieten mit vielen Murmeltieren entstehen artenreiche Kurzrasenflächen, die wiederum anderen Tieren zugutekommen.

⚠️ Wichtig für Wanderer: Füttere Murmeltiere nicht! In manchen Gebieten (wie am Rotwandhaus) sind sie an Menschen gewöhnt und betteln um Futter. Brot, Chips oder Kekse sind für sie ungesund und führen zu Konflikten. Genieße die Beobachtung – aber lass die Tiere in Ruhe.

📖 Mythen & Wissenswertes

Der Name „Murmeltier" kommt vom lateinischen mus montis, was „Bergmaus" bedeutet. Im Volksmund wurden Murmeltiere auch „Pfeifhasen" genannt – ein Hinweis auf ihren schrillen Warnruf.

In der traditionellen Alpenmedizin wurde Murmeltierfett als Heilmittel gegen Rheuma und Gelenkschmerzen eingesetzt. Die Tiere wurden dafür im Frühling nach dem Winterschlaf gejagt, wenn ihr Fett besonders wertvoll sein sollte. Heute ist diese Praxis glücklicherweise selten geworden – moderne Salben und Cremes haben das Murmeltierfett ersetzt.

Eine besondere Kuriosität: Murmeltiere küssen sich zur Begrüßung. Wenn zwei Tiere aufeinandertreffen, berühren sie sich mit den Schnauzen und beschnuppern sich – es sieht aus wie ein Kuss. Dieses Verhalten stärkt den Zusammenhalt in der Kolonie und dient der Identifikation.

⚠️ Was du beachten musst

  • Nicht füttern: Murmeltiere am Rotwandhaus oder Brecherspitz sind an Menschen gewöhnt. Brot, Chips und Kekse sind ungesund und führen zu Konflikten.
  • Abstand: Mindestens 10 m. Ein Murmeltier, das sich bedroht fühlt, pfeift und flieht in den Bau. Das kostet wertvolle Energie.
  • Fotografieren: Teleobjektiv ab 100 mm. Keine Selfies mit Murmeltieren – sie können beißen, wenn sie sich bedrängt fühlen.
  • Hunde an die Leine: Ein freilaufender Hund in einer Murmeltierkolonie verursacht massiven Stress. Die Tiere bleiben dann stundenlang in ihren Bauen.
  • Baue nicht betreten: Die unterirdischen Gänge sind fragil. Ein eingestürzter Bau bedeutet den Tod der Bewohner im Winterschlaf.

🥾 Auf diesen Routen siehst du Murmeltiere

⛰️ Brecherspitz-Gipfelweg — Peak Mai–Sept. Große Kolonien am Südhang. Früher Vormittag und später Nachmittag.

🥾 Rotwand — Peak Mai–Sept. Am Rotwandhaus direkt beobachtbar. Die Tiere sind hier besonders zutraulich.

🧧 Bodenschneid-Klettersteig — Juni–Sept. Der Aufstieg ab der Oberen Firstalm führt durch ideales Murmeltiergelände.

🥾 Obere Firstalm — Mai–Okt. Gemütliche Wanderung mit Murmeltier-Garantie auf den Almwiesen.

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