Die Flyschzone der Bayerischen Voralpen - Entstehung und Gesteinsaufbau
Die Flyschzone ist das geologische Fundament der Bayerischen Voralpen. Auf einer Breite von 10 bis 20 Kilometern erstreckt sie sich vom Bodensee im Westen bis nach Salzburg im Osten - ein Zeugnis der alpinen Gebirgsbildung.
Was ist Flysch?
Flysch ist keine einzelne Gesteinsart, sondern eine charakteristische Wechsellagerung von Sandsteinen, Mergeln, Tonsteinen und Kalksteinen. Der Begriff stammt aus dem Schweizerischen und bedeutet 'fliessen' - bezogen auf die typischen Hangrutschungen, die in diesen instabilen Gesteinsserien haeufig auftreten. Die Flyschsedimente entstanden in der tiefen Meeresrinne (dem sogenannten Flyschtrog) noerdlich der aufsteigenden Alpen.
Der Bayerische Flysch besteht zu etwa 60 % aus Sandsteinen (Quarz-reich, glimmerhaltig), zu 30 % aus Mergel- und Tonsteinen und zu 10 % aus Kalkbaenken und Brekzien. Die Gesamtmaechtigkeit der Flyschserie betraegt bis zu 3.000 Meter.
Geologische Entstehung
Die Geschichte der Flyschzone beginnt vor etwa 100 Millionen Jahren in der Oberkreide. Zu dieser Zeit begann die afrikanische Platte, sich nach Norden zu bewegen und das Tethys-Meer zwischen Afrika und Europa zu schliessen. Am Rand des sich hebenden Alpenkoerpers bildete sich ein tiefer Meeresgraben - der Flyschtrog -, in den gewaltige Sedimentmengen von den aufsteigenden Alpen geschuettet wurden.
Die Sedimentation erfolgte durch Truebestroeme (Turbidite), die in regelmaessigen Abstaenden Sand und Schluff in die Tiefsee transportierten. Jeder Turbidit bildet eine charakteristische Abfolge: unten grober Sandstein, darueber feiner werdend bis zum Mergel - die sogenannte Bouma-Sequenz (benannt nach Arnold Bouma, 1962).
Flysch-Sedimentation: Oberkreide (100-66 Mio. Jahre) bis Alttertiaer (Palaeozaen/Eozaen, 66-34 Mio. Jahre). Die Gesteine wurden waehrend der Alpenfaltung (Eozaen-Oligozaen) tektonisch ueberpraegt.
Typische Gesteine
Die wichtigsten Gesteinstypen des Bayerischen Flysch sind:
- Reiselsberger Sandstein - Ein massiver, quarzitischer Sandstein der Oberkreide, benannt nach dem Reiselsberg bei Lenggries. Er ist das widerstaendigste Gestein der Flyschzone und bildet markante Felsrippen.
- Zementmergel - Ein mergeliger Kalkstein der Unterkreide (Hauterive-Barremium), der frueher als Rohstoff fuer Zement abgebaut wurde.
- Haellritz-Formation - Wechsellagerung von Sandstein, Mergel und Tonstein aus dem Eozaen (ca. 50 Mio. Jahre), benannt nach der Haellritz bei Ruhpolding.
- Muerbsandstein - Ein glimmerreicher, leicht verwitternder Sandstein, der fuer die typischen Hangrutschungen der Flyschzone verantwortlich ist.
Bedeutung fuer die Landschaft
Die Flyschzone praegt das Landschaftsbild der Bayerischen Voralpen entscheidend. Aufgrund der leichten Verwitterbarkeit der Mergel- und Tonsteine entstehen sanfte, wellige Formen mit tiefgruendigen Boeden - ideal fuer Almwirtschaft. Die widerstaendigen Sandsteinbaenke hingegen bilden kleine Felsrippen und Wasserfaelle.
Ein bekanntes Beispiel ist die 'Bayerische Kalkschotterebene' zwischen Flyschzone und Alpenrand, die durch den Abtrag der Flyschgesteine entstanden ist. Der Flysch ist auch die Ursache fuer die haeufigen Hangrutschungen entlang der B307 (Gebirgsstrasse zwischen Schliersee und Spitzingsee), die jedes Jahr aufwendige Sanierungsarbeiten erfordern.
Fazit
Die Flyschzone ist das geologische Fundament der Bayerischen Voralpen. Ihre Sedimente erzaehlen die Geschichte der Alpenentstehung - von der tiefen Meeresrinne vor 100 Millionen Jahren bis zum heutigen Gebirge. Die typischen Rutschungen und Quellhorizonte der Flyschzone sind keine geologischen Defekte, sondern die logische Konsequenz ihrer sedimentaeren Vergangenheit.