Der Spitzingsee - Limnologie eines alpinen Bergsees
Der Spitzingsee liegt auf 1.084 Metern Hoehe im Mangfallgebirge und ist mit einer Flaeche von ca. 28 Hektar einer der groesseren natuerlichen Seen der Bayerischen Alpen. Seine limnologischen Eigenschaften machen ihn zu einem interessanten Untersuchungsobjekt fuer die Wissenschaft.
Morphometrie des Sees
Der Spitzingsee hat eine maximale Tiefe von etwa 16,3 Metern bei einer mittleren Tiefe von 7,5 Metern. Das Seevolumen betraegt rund 2,1 Millionen Kubikmeter. Die Uferlaengen betragen ca. 3,2 Kilometer. Das Einzugsgebiet umfasst etwa 10,5 Quadratkilometer, wobei der Hauptzufluss der Sillbach aus dem Sueden ist. Der Abfluss erfolgt ueber die Valepp, die bei Rottach-Egern in den Tegernsee muendet.
Die Morphometrie eines Sees beeinflusst massgeblich seine thermische Schichtung, die Durchmischungsverhaeltnisse und die Naehrstoffverfuegbarkeit. Der Spitzingsee ist als 'relativ flacher See' klassifiziert, was bedeutet, dass er im Sommer eine stabile Temperaturschichtung aufbaut, die jedoch im Herbst und Fruehjahr vollstaendig durchmischt wird.
Thermische Schichtung
Als dimiktischer See durchlaeuft der Spitzingsee zwei vollstaendige Durchmischungsphasen pro Jahr:
- Fruehjahrszirkulation (Maerz/April) - Nach der Eisbedeckung sinkt das kalte Oberflaechenwasser (4 Grad Celsius mit maximaler Dichte) ab und der gesamte Wasserkocper wird durchmischt.
- Sommerstagnation (Mai bis Oktober) - Es bildet sich eine stabile Temperaturschichtung mit warmem Epilimnion (15-20 Grad), einer Sprungschicht (Metalimnion) und kaltem Hypolimnion (4-8 Grad).
- Herbstzirkulation (Oktober/November) - Durch die Abkuehlung des Epilimnions kommt es zur erneuten vollstaendigen Durchmischung.
- Winterstagnation (Dezember bis Maerz) - Unter der Eisdecke kehrt sich die Schichtung um: kaltes Wasser (0-1 Grad) liegt direkt unter dem Eis, das dichteste Wasser mit 4 Grad am Seegrund.
Die Eisbedeckung des Spitzingsees haelt in einem durchschnittlichen Winter etwa 80 bis 100 Tage an. In besonders kalten Wintern kann die Eisdecke eine Dicke von bis zu 60 Zentimetern erreichen.
Oberflaeche im Sommer: 18-22 Grad Celsius, Hypolimnion: 4-8 Grad Celsius, Eisbedeckung: ca. 80-100 Tage/Jahr, Maximale Dichte bei 4 Grad Celsius (limnologische Referenztemperatur).
Naehrstoffhaushalt und Trophie
Der Spitzingsee wird als oligotroph bis mesotroph eingestuft. Die Naehrstoffkonzentrationen sind relativ niedrig, was typisch fuer alpine Bergseen ist. Die Gesamtphosphorkonzentration liegt bei etwa 10-20 Mikrogramm pro Liter, die Gesamtstickstoffkonzentration bei 0,5-1,0 Milligramm pro Liter.
Die geringe Naehrstoffbelastung ist auf das kleine Einzugsgebiet mit ueberwiegend Waldflaechen und Almwiesen zurueckzufuehren. Landwirtschaftliche Nutzung ist im Einzugsgebiet nur extensiv vorhanden. Allerdings fuehren die Besucherstroeme im Sommer zu einer zusaetzlichen Belastung durch Abwaesser und Erosion an den Uferbereichen.
Sauerstoffhaushalt
Aufgrund der guten Durchmischung und der geringen Naehrstoffbelastung ist der Sauerstoffhaushalt des Spitzingsees ganzjaehrig guenstig. Die Sauerstoffsaettigung liegt in der durchmischten Wassersaeule bei ueber 90 Prozent. Selbst unter der Eisdecke im Winter sinkt der Sauerstoffgehalt im Hypolimnion selten unter 5 Milligramm pro Liter, was ausreichend fuer die meisten aquatischen Organismen ist.
Fazit
Der Spitzingsee ist ein typischer dimiktischer Bergsee der Bayerischen Alpen. Seine limnologischen Eigenschaften - geringe Naehrstoffbelastung, gute Sauerstoffversorgung, regelmaessige thermische Durchmischung und saisonale Eisbedeckung - machen ihn zu einem stabilen Oekosystem. Die zunehmenden Besucherzahlen und der Klimawandel stellen jedoch wachsende Herausforderungen fuer den empfindlichen Bergsee dar.