Niedermoore in den Bayerischen Voralpen – Lebensraum für seltene Arten
Niedermoore sind die artenreicheren Verwandten der Hochmoore. Sie werden von Grund- oder Oberflächenwasser gespeist und sind daher nährstoffreicher. In den Bayerischen Voralpen finden sich Niedermoore vor allem in Tallagen und an Seeufern.
Charakteristika der Niedermoore
Niedermoore (auch Flachmoore genannt) werden durch mineralreiches Grundwasser gespeist (minerotroph). Der pH-Wert ist höher als bei Hochmooren, meist zwischen 5 und 7. Die Nährstoffversorgung ist besser, aber dennoch gering im Vergleich zu landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Die Torfschicht in Niedermooren ist meist dünner als in Hochmooren, oft nur 1 bis 2 Meter. Der Torf besteht überwiegend aus den Überresten von Seggen, Schilf und anderen Feuchtgebietspflanzen, nicht aus Torfmoosen. Niedermoore wachsen langsamer als Hochmoore.
Pflanzenwelt der Niedermoore
Niedermoore beherbergen eine vielfältige Pflanzengemeinschaft. Typische Arten sind verschiedene Seggen (Carex davalliana, Carex panicea), das Pfeifengras (Molinia caerulea), der Fieberklee (Menyanthes trifoliata) und das Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris).
In den Kalk-Niedermooren der Bayerischen Voralpen wachsen seltene Orchideen wie das Fleischfarbene Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata), die Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris) und der Frauenschuh (Cypripedium calceolus). Diese Orchideen sind auf die besonderen Bedingungen der Niedermoore angewiesen.
Tierwelt der Niedermoore
Niedermoore sind wichtige Lebensräume für Amphibien. Hier laichen Grasfrosch, Erdkröte, Bergmolch und der seltene Kammmolch. Die feuchten Bedingungen bieten ideale Laichgewässer, und die strukturreiche Vegetation dient als Versteck und Jagdrevier.
Auch viele Vogelarten sind auf Niedermoore angewiesen. Der Braunkehlchen (Saxicola rubetra) brütet in extensiv genutzten Feuchtwiesen. Die Bekassine (Gallinago gallinago) und der Große Brachvogel (Numenius arquata) nutzen Niedermoore als Brutgebiet. Diese Vogelarten sind in Bayern stark gefährdet.
Gefährdung und Schutz
Niedermoore sind durch Entwässerung, Düngung und Nutzungsintensivierung stark gefährdet. In den Bayerischen Voralpen sind viele Niedermoore drainiert und in Grünland umgewandelt worden. Der Verlust dieser Lebensräume ist eine der Hauptursachen für den Rückgang von Amphibien und Wiesenbrütern.
Der Schutz der Niedermoore erfordert die Wiedervernässung, die Extensivierung der Nutzung und die Pufferung gegen Nährstoffeinträge aus der Umgebung. Viele Niedermoore in den Voralpen sind als Naturschutzgebiete oder FFH-Gebiete ausgewiesen.
Fazit
Niedermoore sind Hotspots der Biodiversität in den Bayerischen Voralpen. Sie beherbergen eine Vielzahl seltener und gefährdeter Arten und erfüllen wichtige Funktionen im Wasserhaushalt und im Klimaschutz. Ihr Schutz ist eine vordringliche Aufgabe des Naturschutzes.