Georg Jennerwein – Der Wildschütz vom Schliersee

Wilderer, Legende, tragischer Held. Die Geschichte des Mannes, der die Wälder um Spitzingsee und Bodenschneid besser kannte als jeder Förster.

Region Spitzingsee
📅 Stand:

Wenn du auf der Bodenschneid stehst und nach Norden Richtung Tegernsee blickst, siehst du dasselbe Panorama wie vor 150 Jahren. Dasselbe Gras, dieselben Felsen, dieselbe Stille. Und wenn der Wind richtig steht, kannst du dir fast vorstellen, wie er hier entlanggeschlichen ist – der Wildschütz vom Schliersee.

🎯 Wer war Georg Jennerwein?

Georg Jennerwein wurde 1852 in Leiten bei Schliersee geboren – einem Weiler, der heute noch so winzig ist, dass du ihn auf manchen Karten übersiehst. Sein Vater war Bauer, aber Georg hatte andere Pläne. Er wurde Wilddieb. Nicht aus Spaß, sondern aus Notwendigkeit – die Jagdrechte waren damals dem Adel vorbehalten, und wer als Bauer einen Rehbock schoss, machte sich strafbar.

Aber Jennerwein war kein brutaler Wilderer. Er war einer von der Sorte, die die Leute mochten. Ein geschickter Jäger, der die Natur kannte wie seine Westentasche. Sein Revier: die Wälder rund um Spitzingsee, die Grate der Bodenschneid, die Hänge des Brecherspitz und das Rotwand-Plateau. Das waren seine Pfade – und die kannte er besser als jeder Förster.

Die Legende

Um Jennerwein ranken sich viele Geschichten. Die berühmteste: Er soll Wildhüter und Förster regelmäßig an der Nase herumgeführt haben. Er kannte jedes Versteck, jede Felsnase, jeden Karstspalt. Wenn die Jäger ihn suchten, war er längst über alle Berge.

Manche sagen, er hatte ein Netzwerk von Bauern und Wirten, die ihn warnten. Andere sagen, er war einfach schneller und geschickter. Wahrscheinlich stimmt beides.

🔫 Der Tod an der Bodenschneid

Am 6. November 1877 endete die Geschichte des Wildschützen. Jennerwein wurde an der Bodenschneid erschossen.

Die offizielle Version: Ein Förster namens Stiglmaier stellte ihn und schoss in Notwehr. Aber die Geschichte ist bis heute nicht restlos geklärt. War es wirklich Notwehr? Oder ein Hinterhalt? Ein Racheakt von Jägern, die genug hatten von dem Wilddieb, der ihnen immer entwischt war?

Die Akten des Prozesses sind unvollständig. Stiglmaier wurde freigesprochen. Aber die Zweifel blieben.

"Er starb so, wie er lebte – allein im Wald an der Bodenschneid."

Heute erinnert der Jennerwein-Wanderweg an ihn – eine Rundtour ab dem Spitzingsee, die an seinen alten Pfaden entlangführt. Die Route ist markiert, ca. 3 Stunden Gehzeit und führt durch die Wälder, die sein Revier waren. Du passierst dabei die Bodenschneid-Südseite, wo er damals unterwegs war.

🏛️ Markus Wasmeier – Olympiasieger & Bewahrer der Tradition

Von der Wilderer-Geschichte zum Olympiasieg: Markus Wasmeier, geboren 1963 in Schliersee, ist der berühmteste Sohn der Region. 1994 gewann er bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer Gold im Riesenslalom und Gold im Super-G – ein Doppelsieg, den ihm vorher niemand zugetraut hatte.

Aber Wasmeier ist mehr als ein ehemaliger Skirennläufer. Nach seiner Karriere baute er am Ortsrand von Schliersee das Freilichtmuseum Schliersee auf – eine Sammlung historischer Gebäude aus der Region, die er vor dem Abriss rettete.

Das Freilichtmuseum

Auf dem Gelände stehen heute 9 historische Gebäude:

  • Ein Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert
  • Eine Mühle
  • Eine Schmiede
  • Ein Backhaus
  • Eine Käserei
  • Und mehrere Stadel und Scheunen

Die Gebäude wurden originalgetreu abgebaut, versetzt und wieder aufgebaut. Handwerker zeigen alte Techniken: Schmieden, Brotbacken, Käseherstellung. Das ist kein Disneyland – das ist gelebte Geschichte.

Der Eintritt kostet für Erwachsene ca. 8 €, für Kinder die Hälfte. Eine lohnenswerte Ergänzung zu jedem Spitzingsee-Besuch, vor allem an Schlechtwettertagen.

🗺️ Jennerwein-Wanderweg

Start Spitzingsee-Parkplatz
Dauer ca. 3 h
Länge ca. 8 km
Höhenmeter ca. 300 HM
Schwierigkeit Mittel (gut ausgebaute Wege, aber steile Passagen)
Markierung Jennerwein-Logo (ein Geweih)

Die Tour führt dich durch die Wälder, die Jennerweins Revier waren. Vorbei an der Bodenschneid-Südseite, durch Karstlandschaften und schließlich zurück zum Spitzingsee. Unterwegs mehrere Bänke mit Panoramablick – perfekt für die Brotzeit.

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