Der Alpensalamander (Salamandra atra) - Lebendgebärender Schwanzlurch
Der Alpensalamander ist eine Besonderheit der Alpen: Er bringt seine Jungen lebend zur Welt und verzichtet auf das Larvenstadium im Wasser. Seine schwarze Färbung macht ihn zu markanten Erscheinung in den Bergwäldern.
Lebensraum und Verbreitung
Der Alpensalamander bewohnt feuchte, schattige Bergwälder in Höhen zwischen 800 und 2.000 Metern. In den Bayerischen Voralpen ist er vor allem an den Nordhängen des Mangfallgebirges, im Bereich des Spitzingsattels und in den feuchten Wäldern um den Soellenkamm anzutreffen.
Der Alpensalamander ist ein reiner Landbewohner. Er benötigt feuchte, kühle Umgebungen mit dichter Laub- und Moosschicht. Trockenperioden überdauert er in Felsspalten, unter Baumwurzeln und in Erdhöhlen. Die Aktivitätszeit erstreckt sich von April bis Oktober.
Fortpflanzung - Ein Unikum
Der Alpensalamander ist einer der wenigen lebendgebärenden Amphibien der Welt. Die Weibchen behalten die befruchteten Eier im Körper, wo sich die Larven über zwei bis drei Jahre entwickeln. Die vollständig entwickelten Jungen werden dann im Juni/Juli geboren - nicht im Wasser, sondern an Land.
Diese Anpassung ist eine Reaktion auf die kurzen Sommer in den Alpen: Die Zeit reicht nicht aus, um einen aquatischen Lebenszyklus mit Eiablage, Larvalentwicklung und Metamorphose zu durchlaufen. Die lange Tragzeit (24-36 Monate) bedeutet, dass die Weibchen in der Regel nur alle zwei bis drei Jahre Nachwuchs bekommen.
Ernährung und Verhalten
Der Alpensalamander jagt vor allem Insekten, Spinnen, Schnecken und Regenwürmer. Er ist ein Lauerjäger: Er wartet bewegungslos auf vorbeikommende Beute und schlägt blitzschnell zu. Die Beute wird mit der klebrigen Zunge erfasst.
Bei Gefahr sondern Alpensalamander ein weißliches, giftiges Hautsekret ab. Dieses Sekret schützt vor Fressfeinden. Der Alpensalamander ist einer der giftigsten Salamander Europas, für Menschen jedoch nur bei direktem Kontakt mit den Schleimhäuten gefährlich.
Gefährdung
Der Alpensalamander ist in den Bayerischen Voralpen nicht unmittelbar gefährdet. Die Bestände sind lokal unterschiedlich, aber insgesamt stabil. Gefahren gehen von der Zerschneidung der Lebensräume durch Straßen aus, da die Tiere auf ihren Wanderungen überfahren werden.
Eine besondere Gefahr für Amphibien insgesamt ist der Pilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal), der in den Beneluxländern bereits zu Massensterben von Feuersalamandern geführt hat. Bislang ist der Pilz in den Bayerischen Alpen nicht nachgewiesen, aber eine Einschleppung durch Touristen ist möglich.
Fazit
Der Alpensalamander ist ein faszinierender Vertreter der alpinen Amphibienfauna. Seine einzigartige Fortpflanzungsstrategie und seine Anpassung an die kühlen, feuchten Bergwälder machen ihn zu einem besonderen Bewohner der Bayerischen Voralpen.