Das Auerhuhn (Tetrao urogallus) - Urvogel des Bergwalds
Das Auerhuhn ist der groesste Huehnervogel der Alpen und ein Symbol fuer ungestoerte, strukturreiche Bergwaelder. Seine Bestaende in den Bayerischen Voralpen sind ruecklaeufig.
Lebensraum
Das Auerhuhn besiedelt lichte, strukturreiche Bergwaelder in Hoehen zwischen 800 und 1.800 Metern. In den Bayerischen Voralpen sind dies vor allem die Bergmischwaelder am Soellenkamm, im Mangfallgebirge und im Bereich des Bodenschneids. Die Art benoetigt groessflaechige, zusammenhaengende Waldgebiete mit einem Mosaik aus lichten und dichten Bereichen.
Der Lebensraum des Auerhuhns veraendert sich durch die Forstwirtschaft. Moderne Waldbewirtschaftung mit kurzen Umtriebszeiten und die Bepflanzung mit Nadelholz-Monokulturen haben die Lebensraumqualitaet fuer das Auerhuhn verschlechtert. Die Art ist auf alte, lichte Wa elder und einen hohen Anteil an Laubbaeumen angewiesen.
Balzverhalten
Die Balz des Auerhahns ist ein beeindruckendes Schauspiel. In den fruehen Morgenstunden zwischen Maerz und Mai versammeln sich die Hähne auf traditionellen Balzplaetzen. Mit gespreiztem Schwanz, gestraeubtem Gefieder und vorgestrecktem Kopf zeigen sie eine eindrucksvolle Balz, die von den typischen Gesaengen begleitet wird.
Der Gesang des Auerhahns besteht aus drei Teilen: dem Schnalzen, dem Trillern und dem Schleifen. Waehrend der Balz singt der Hahn taeglich fuer 1 bis 2 Stunden. Die Hennen suchen die Balzplaetze gezielt auf, um den dominantesten Hahn auszuwaehlen. Nach der Paarung kuenmern sich die Hennen allein um die Aufzucht der Jungtiere.
Gewicht: Hahn 3-5 kg, Henne 1,5-2,5 kg. Fluegelspannweite: Hahn 90-110 cm, Henne 70-85 cm. Gelege: 6-12 Eier. Brutdauer: 26-28 Tage. Lebenserwartung: 8-12 Jahre. Nahrung: Knospen, Triebe, Blaetter, Beeren, Insekten (Jungtiere).
Gefaehrdung
Das Auerhuhn ist in den Bayerischen Voralpen stark gefaehrdet. Der Bestand wird auf nur noch wenige hundert Tiere geschaetzt. Die Hauptursachen fuer den Rueckgang sind: Lebensraumverlust durch Intensivierung der Forstwirtschaft, Stoerungen durch Tourismus (Wintersport, Wanderer, Pilzsucher), Zerschneidung der Lebensraeume und der Klimawandel.
Wintersport ist eine besondere Gefahr: Auerhuehner ueberwintern in den Hoehenlagen und sind auf ungestoerte Schneehoehlen angewiesen. Skitourengeher und Freerider, die durch diese Gebiete fahren, zwingen die Voegel zur Flucht, was zu einem erheblichen Energieverlust fuehrt.
Schutzmassnahmen
In den Bayerischen Voralpen wurden mehrere Schutzgebiete fuer das Auerhuhn ausgewiesen. In diesen Zonen sind forstwirtschaftliche Eingriffe und Tourismus in der sensiblen Jahreszeit (Dezember bis Juni) eingeschraenkt. Die Wiedervernetzung von Lebensraeumen durch die Anlage von Waldkorridoren ist ein weiterer wichtiger Schutzansatz.
Fazit
Das Auerhuhn ist ein Indikator fuer die Qualitaet von Bergwaeldern. Sein Schutz kommt auch vielen anderen Arten zugute, die auf strukturreiche, ungestoerte Wa elder angewiesen sind.