Das Reh (Capreolus capreolus) - Der haeufigste Hirschartige der Voralpen
Das Reh ist der haeufigste und am weitesten verbreitete Hirschartige in den Bayerischen Voralpen. Mit seiner Anpassungsfähigkeit besiedelt es Lebensraeume vom Tal bis an die Waldgrenze.
Lebensraum
Das Reh besiedelt eine Vielzahl von Lebensraeumen: lichte Mischwälder, Walraender, Lichtungen, Almflaechen und auch Kulturland. In den Bayerischen Voralpen ist es von den Tallagen (600 m) bis zur Waldgrenze (1.600 m) anzutreffen. Die hoechste Dichte erreicht das Reh in strukturreichen Uebergangsbereichen zwischen Wald und Offenland.
Anders als der Rothirsch ist das Reh kein Hohenwanderer. Es bleibt das ganze Jahr über in seinem Revier, das je nach Lebensraumqualitaet 20 bis 100 Hektar gross sein kann. Im Winter zieht es sich in geschützte Waldlagen mit guter Deckung zurueck.
Aussehen und Geweih
Das Reh erreicht eine Schulterhoehe von 65 bis 85 Zentimetern und ein Gewicht von 15 bis 30 Kilogramm. Es ist damit deutlich kleiner als der Rothirsch. Die Fellfarbe ist im Sommer rotbraun mit weissem Spiegel (Afterregion), im Winter graubraun. Das Geweih des Rehbocks besteht aus zwei Staeben (Stangen) und hat meist drei Enden pro Stange.
Das Rehgeweih wird wie beim Rothirsch jährlich abgeworfen und neu gebildet. Die Geweihbildung erfolgt in den Monaten Januar bis April, die Bastablage im April/Mai. Anders als beim Rothirsch ist das Rehgeweih nicht als Kampfwaffe gedacht, sondern dient vor allem der Reviermarkierung und Drohgebärden.
Verhalten
Rehe sind dämmerungsaktive Tiere, die vor allem in den Morgen- und Abendstunden äsen. Tagsüber ziehen sie sich in Deckungen zurueck, in denen sie wiederkauen und ruhen. Rehe sind Einzelgänger oder leben in kleinen Familienverbänden (Geiss mit Kitz und vorjaehrigem Kitz). Die Böcke leben ausserhalb der Paarungszeit (Juli-August) einzelgängerisch.
Die Paarungszeit der Rehe wird als 'Blattzeit' bezeichnet und findet im Juli/August statt. Nach einer Tragzeit von rund 290 Tagen kommen im Mai/Juni die Kitze zur Welt - meist zwei, seltener ein oder drei. Die Kitze haben ein geflecktes Tarnfell und werden in den ersten Lebenswochen nur zum Säugen aufgesucht.
Ernaehrung
Das Reh ist ein sogenannter 'Konzentratselektierer' - es sucht gezielt nach nährstoffreichen Pflanzenteilen. Die Nahrung besteht vor allem aus Kraeutern, Blaettern, Trieben, Knospen, Fruechten und Pilzen. Graeser spielen eine untergeordnete Rolle. Im Winter frisst das Reh vor allem Brombeerranken, Heidelbeerkraut und Rinde von Jungbaeumen.
Der Einfluss des Rehs auf die Waldverjüngung kann erheblich sein. Rehe äsen bevorzugt die Triebe junger Laubbäume wie Buche, Ahorn und Eberesche, waehrend sie Nadelhölzer (vor allem Fichte) meiden. Dadurch beeinflussen sie die Baumartenzusammensetzung des Bergwalds.
Fazit
Das Reh ist ein faszinierendes und zugleich haeufiges Wildtier der Bayerischen Voralpen. Seine Anpassungsfähigkeit und seine Rolle im Ökosystem Bergwald machen es zu einem wichtigen Bestandteil der alpinen Tierwelt.